Ratinger Forum 11 (2009)

Das neue "Ratinger Forum" wird vom Stadtarchiv Ratingen in Verbindung mit dem Verein für Heimatkunde und Heimatpflege Ratingen e. V. (kurz Heimatverein) herausgegeben und enthält auf 243 Seiten wieder zahlreiche interessante Themen zur Stadtgeschichte:

 

Der längste Aufsatz von Linda Döring-Czerlach befasst sich mit dem Wirtschaftsleben einer rheinischen Kleinstadt im späten Mittelalter. Anhand der Ratinger Stadtrechnung des Rechnungsjahres 1466/67 erfährt der Leser, dass die städtischen Einkünfte neben kleineren indirekten Steuern und Gebühren hauptsächlich aus den Einnahmen der Angermühle stammten, in der die Ratinger Bürger ihr Getreide mahlen lassen mussten. Die Ausgaben wiederum spiegeln in gewisser Weise die Verwaltung und die Aufgaben der Stadt wider. Sie reichen von Verwaltungskosten über die Tilgung von Schulden, Lohnauszahlungen, Instandhaltungs- und Baukosten, Botenlöhnen bis hin zu Kosten für Bewirtungen und Geschenken. Viele Informationen über die Bebauung der Stadt verdanken wir den Stadtrechnungen. So ist bei dieser Stadtrechnung vermerkt, dass mit dem Bau des Windmühlenturms im Oberdorf begonnen wurde. Bei diesem Aufsatz handelt es sich um die gekürzte Fassung der Examensarbeit der Verfasserin, die diese im Jahr 2009 geschrieben hat. Nach einem Praktikum im Stadtarchiv hat sie sich für die Bearbeitung dieses Ratinger Themas entschieden.

 

Stadtarchivar Joachim Schulz-Hönerlage nahm den 400. Jahrestag des Beginns des Jülich-Klevischen Erbfolgestreits von 1609 zum Anlass, die Auswirkungen dieses Streites, der beinahe schon den Dreißigjährigen Krieg vorweggenommen hätte, auf Ratingen zu untersuchen. Für Ratingen waren es dabei weniger politische Folgen als vielmehr konfessionelle Streitigkeiten zwischen den den drei in Ratingen vorhandenen Konfessionen (Katholiken, Reformierte und Lutheraner). Diese geben einen interessanten Einblick in die religiösen Befindlichkeiten der Einwohner, zeigen aber auch die damals übliche enge Verflechtung von Stadt und Kirche.

 

Der als Verfasser der Dokumentation über die St. Sebastiani-Schützenbruderschaft bekannte Ratinger Helmut Pfeiffer hat sich in einem kurzen Beitrag mit der Geschichte der Schützenbahn beschäftigt, die sich bis 1855 an der Stadtmauer im Oberdorf hinter dem Gasthaus zum Heiligen Geist befunden hat (heute Arkadenhof).

 

Der Ratinger Ehrenbürger Adam Josef Cüppers, der vielen als Volksschullehrer, Rektor und Begründer verschiedener Institutionen (u.a. Berufsschule, Stadtbibliothek, Heimatverein) bekannt ist, war auch schriftstellerisch tätig. Noch bevor er 1876 nach Ratingen versetzt wurde, hat er ein Libretto für ein Oratorium verfasst, das von Max Bruch unter dem Namen „Arminius“ vertont und im Dezember 1875 in Barmen uraufgeführt wurde. Im Rahmen des großen Ausstellungsprojekts „2000 Jahre Varus-Schlacht“ im vergangenen Jahr wurde das Oratorium wiederentdeckt und sowohl in Kalkriese als auch in Detmold noch einmal aufgeführt. Dr. Alexander Reis vom LVR-Landesmuseum in Bonn hat sich diesem vergessenen Stück musikalischer Kulturgeschichte in seinem Aufsatz angenommen und zeigt uns Cüppers von einer ganz anderen Seite.

 

Anlässlich des 60. Geburtstages der Bundesrepublik Deutschland hat das Stadtarchiv im Mai/Juni 2009 im Medienzentrum eine Ausstellung zum Thema „Ratingen 1949. Alltagsleben und Politik in der neuen Bundesrepublik“ mit Bildern des Ratinger Pressefotografen Reiner Klöckner gezeigt. Die von dem Geschichtsstudenten Tobias Glagau mitkonzipierte Ausstellung wird in Auszügen im Ratinger Forum noch einmal wiedergegeben. Dazu gehört auch der Aufsatz von Dr. Simone Derix von der Universität Köln: Mit dem „Pathos des Dauernden“. Das Grundgesetz von 1949 als Versprechen. Es handelt sich um den Abdruck des Vortrags, den die Verfasserin bei der Eröffnung der Ausstellung am 8. Mai 2009 im Medienzentrum gehalten hat und der einen Einblick in die Arbeitsweise des Parlamentarischen Rates gibt und auch die Diskussionen um die zentralen Teile des Grundgesetzes beschreibt: die Präambel und die Grundrechte. Gerade bei den Grundrechten zeigt sich, dass der eigentlich provisorische Charakter des Grundgesetzes hier nicht gilt, sondern dass es sich vielmehr um dauernde und unveränderliche Rechte des Menschen handelt.

 

Dr. Bastian Fleermann von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf erinnert in seinem Beitrag an Josef Schappe, der vor 15 Jahren verstorben ist. Josef Schappe hat sich, nachdem er vom Nazi-Regime als Widerstandskämpfer verfolgt und inhaftiert wurde, nach dem Zweiten Weltkrieg in Ratingen jahrzehntelang politisch engagiert und versucht, die Erinnerung an diese unmenschliche Zeit aufrechtzuerhalten.

 

Zum Abschluss berichtet Stadtarchivar Joachim Schulz-Hönerlage über neue Möglichkeiten der Familien- und Personenforschung im Stadtarchiv. Hintergrund ist die gesetzlich vorgeschriebene Übernahme älterer Zivilstands- und Standesamtsregister vom Standesamt in das Stadtarchiv und die damit verbundene Freigabe für die Forschung. Seit nunmehr 200 Jahren gibt es in Ratingen die staatliche Beurkundung von Personenstandsfällen, die zuvor nur von den Kirchen geleistet wurde.

 

Wie in jedem Forum gibt es auch wieder die Ergänzungen zur Ratinger Bibliographie und verschiedene Buchbesprechungen. Neu ist die „Ratinger Chronik“, mit der in diesem Band begonnen wurde und die die Jahre 2007 und 2008 umfasst.

 

Das Ratinger Forum kostet 6 € und ist im Stadtarchiv Ratingen, Mülheimer Str. 47, 40878 Ratingen sowie im Buchhandel erhältlich. Die Mitglieder des Ratinger Heimatvereins erhalten das Buch als Jahresgabe.













 

 

 
Veröffentlichungen